...die kleine Zeitung mit der großen Wirkung!

Der „blickpunkt“ gehört zur Stadt. Auf unserer Webseite kann man alle Ausgaben seit 1969 lesen. Die Leserinnen und Leser bekommen dabei einen Einblick in die Stadtgeschichte. Es ist eine Geschichte von links, die auch für Neubürger interessant ist. Der „blickpunkt“ - die Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf - ist die außerparlamentarische Begleitung der DKP/LL Fraktion im Stadtparlament unserer Stadt. Seit über 45 Jahren kommt der „blickpunkt“ in fast jedes Haus. Wir drucken regelmäßig acht Seiten und monatlich 14.500 Exemplare. Finanziert wird die Zeitung im Wesentlichen durch unsere Mandatsträger, die ihre Sitzungsgelder dafür zur Verfügung stellen. Wir erhalten aber auch sehr oft Spenden von interessierten Leserinnen und Lesern. Diese sind notwendig und immer willkommen.

14.02.2019
Erfrischendes Gewitter
Am Donnerstagabend (14.2.) gab es im Rathaus Walldorf eine gut besuchte Eröffnung einer städtischen Fotoausstellung über die Startbahn-West-Mauer. Die Fotos waren von Walter Keber, einem bewährten Chronisten der Auseinandersetzungen um die ständigen Flughafenerweiterungen. Es gab Reden und Sekt, Musik und Lyrik. Aber auch so etwas wie ein Gewitter und das war notwendig.
Eigentlich sollte diese Veranstaltung dem Bürgermeister im Wahlkampf nützen - aber das ging in die Hose. Zu lange las der Bürgermeister seine Rede von vielen Blättern. Nix neues. Kein Satz, wie wichtig die Proteste waren und wie notwendig sie auch heute sind. Die anwesenden Startbahnaktivisten sahen sich fragend in die Augen. Die ersten schlichen davon. Dann trat der Erste Stadtrat Burkhard Ziegler ans Mikro, dessen wichtigste Handlung bei Amtsantritt, das Abhängen der Flughafentransparente war. Da lebte und bebte der Raum: "Herr Ziegler hängen sie die Transparente wieder auf!" Beifall und weitere Zwischenrufe: "Wie kommt dieser Mann dazu bei diesem Thema das Wort zu ergreifen?" Ziegler tapfer: "Aber ich habe auch mal am Flughafen in München gewohnt". Das Gewitter wird stärker. Ziegler versteinert: "Man will mich also nicht hören". "Ja! ", wurde gerufen, und "ach, geh fort!", "heer uff!" Walter Keber kam am Schluss mit einer etwas "staatsmännisch" vorgetragenen Rede, die auch zu wenig Platz hatte für die Bäume die immer noch gerodet werden.
Von allen Rednern hätte man jedenfalls auch mal einen Satz gehört wie: "Es muss endlich Schluss sein mit den ständigen Flughafenerweiterungen". Oder einen Hinweis auf die geplante Verdoppelung des Flugverkehrs und den Irrsinn des "Billig-Flieger-Terminals". Schade das diese Ausstellungseröffnung so verlief.
Rudi Hechler
09.02.2019
Karl-Marx-Linde
Karl Marx hatte am 5. Mai 2018 seinen 200. Geburtstag. Vor dem Mörfelder Kulturhaus hat man jetzt neugepflanzten Linden einen Namen gegeben. Eine davon heißt Karl-Marx-Linde.
Die Namensnennung hat eine Vorgeschichte die ins das Jahr 1983 zurückgeht. Es war ein Höhepunkt der Friedensbewegung. Millionen demonstrierten gegen neue Raketen, für den Frieden. Das hatte auch Einfluss auf die Kommunalpolitik. Auf einer Stadtverordnetenversammlung am 25. Oktober 1983 gab es einen Antrag der SPD-Fraktion, Eichen auf dem Rathausplatz in Mörfelden zu setzen. Die eine sollte die Marx-Eiche, die andere eine Luther-Eiche sein. Die DKP brachte einen weiteren Vorschlag ein, eine Friedens-Linde sollte gepflanzt werden. Besonders Kurt Oeser engagierte sich dafür. Die Anträge wurden von SPD, DKP und den Grünen angenommen. Die CDU stimmte empört dagegen.
In unserer Stadt hatte es schon früher Bäume gegeben, die einen Namen trugen. Beispiel: Am 10. November 1883, pflanzte man am Mörfelder „Dalles“ anläßlich des 400jährigen Geburtstages von Martin Luther in einem feierlichen Akt eine Luther-Linde.
Die DKP-Fraktion begrüßte es 1983, dass dem Begründer des deutschen Protestantismus, anläßlich seines damaligen 500. Geburtstages, auf diese Weise gedacht werden soll. Luther, 1483 in Eisleben geboren, wurde damals in beiden deutschen Staaten geehrt.
Auch der zweite Namensvorschlag fand die volle Unterstützung der DKP. Karl Marx, am 5. Mai 1818 im damals 12.000 Einwohner zählenden Trier geboren, hat die Welt verändert. Als Karl Marx, der am 14. März 1883 starb, auf dem Londoner Highgate-Friedhof zu Grabe getragen wurde, sagte sein Freund und Mitkämpfer Friedrich Engels: „Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben.“ Wilhelm Liebknecht, einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie, sagte am Grabe: „Statt zu trauern, wollen wir im Geiste des großen Toten handeln, mit aller Kraft streben, daß möglichst bald verwirklicht werde, was er gelehrt und erstrebt hat. So feiern wir am besten sein Gedächtnis“.
Die DKP-Fraktion begründete damals den Beschluss „Friedens-Linde“: „Die Erhaltung des Friedens ist Voraussetzung für alles. Nur im Frieden können wir in unserer Gemeinde für die Bürger wirken. So wirken denn auch viele Bürger in der hiesigen Friedensinitiative gegen die neuen Raketen, Parteilose, engagierte Christen, Sozialdemokraten, Grüne und Kommunisten treten gemeinsam auf. Hunderte Bürger unserer Stadt beteiligten sich an den Aktionen der Friedensbewegung. Ein Friedensbaum in unserer Stadt hat mehr als symbolische Bedeutung, er bedeutet Unterstützung, Parteinahme und Solidarität.“
Leider hatte man dann die Beschlüsse des Stadtparlaments von 1983 im Rathaus "ignoriert".
Wir protestierten dagegen, stellten erneut einen Antrag. Er wurde im vergangenen Jahr angenommen und heute gibt es die vorgeschlagenen Namen.
Bei den vorgeschlagenen Eichen hatten die Fachleute Bedenken. Bei dem laufenden Klimawandel wachsen sie nicht mehr so gut.
Nachsatz: Hätte man damals die Sache im Rathaus nicht "vergessen" wäre die Marx-Eiche wohl heute ein stattlicher 35 Jahre alter Baum. Wir freuen und trotzdem über die neuen Namensschilder. Ein Lied aus der damaligen Friedensbewegung stammte von den Bots; "Gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei, das weiche Wasser bricht den Stein".
26.01.2019
Zufälle gibt's…
Irgendwie gab's neulich wohl Krach bei den Stadtwerken. Um so was zu glätten, holt man heutzutage "Mediatoren". Aber das kostet natürlich: € 5,000 waren im Haushalt eingestellt. Das ist so ungefähr der Betrag, den man ohne großen Verwaltungs- und Genehmigungsaufwand "freihändig" vergeben kann. Juristisch gesehen sicher kaum angreifbar.
Trotzdem stellt sich ein schaler Geschmack ein, wenn man sich die beiden hinzugezogenen "Mediatorinnen" näher betrachtet. Die Damen firmierten bis vor kurzem als "Partner" auf der Homepage eines örtlichen Unternehmens. Diese Mediationsfirma heißt "Villa Consens" und gehört einer Frau Tanja Ziegler. Die Firma residiert an der gleichen Adresse, an der auch der 1. Stadtrat Burkhard Ziegler gemeldet ist. Was'n Zufall aber auch! Na ja, so groß ist der Zufall auch wieder nicht, denn die Dame ist seine Gattin. In der Zwischenzeit verschwanden die Damen von der Homepage der Villa Consens - hatte da jemand ein schlechtes Gewissen?
Jetzt wollen wir uns mal in Erinnerung rufen, was Herrn Zieglers Vorgänger Franz-Rudolph Urhahn widerfuhr, als er im Jahre 2009 einen kleinen IT-Auftrag an eine Firma vergab, deren Mitinhaber er kurz zuvor noch gewesen war. Damals gab es einen Sturm der Entrüstung. Vetternwirtschaft! Es gab einen Akteneinsichtsausschuss, die Presse fuhr Schlagzeilen auf – das volle Programm.
Nun hatte Herr Ziegler ja im letzten Kommunalwahlkampf angekündigt, einen neuen Stil und viel frischen Wind in die Verwaltung zu bringen, und deshalb vor allem das Amt des 1. Stadtrates abzuschaffen. Leider ist ihm das nicht ganz gelungen. Schweren Herzens musste er – nach einem kurzen "Lernprozeß" – zustimmen, das Amt des 1. Stadtrates beizubehalten. Und noch schwereren Herzens musste er es dann auch noch selber übernehmen.
Und er hat nicht nur das Amt seines Vorgängers übernommen, sondern auch noch seine Methoden.
"Kontinuität" heißt so was in moderner Klugscheißer-Sprache. Auf Deutsch: Die eigentliche Katastrophe besteht darin, dass alles immer so weiter geht.
03.01.2019
Wenn die bunten Fahnen wehen
„Das neue Rot ist blau!“ Mit diesem Spruch versucht die AfD Front gegen die Gewerkschaften zu machen. Aber auch bei den neoliberalen Herren der Stadtverwaltung scheint die neue rechte Farbe gut angekommen zu sein.
In einer beispiellosen Nacht- und Nebel-Aktion, ohne Beschluß von Magistrat oder Stadtverordnetenersammlung, hatten sie das neue blaue „Stadtlogo“ durchgesetzt. Die böse rote Farbe wurde aus allem städtischen verbannt.
In einem einzigartigen Durchmarsch wurde alles mögliche mit dem blauen Turm-Kirche-Bäumchen-Symbol verziert. Nicht nur Briefbögen und Visitenkarten, Briefstempel, Geschenkmäppchen und Kulis, auch Auto- und Rathaustüren. Sogar auf den Displays der Telefone der Verwaltung wurde das neue Logo eingerichtet.
Nun flattern auch an den Fahnenmasten der Rathäuser blaue Fahnen mit dem Symbol der neuen Zeit, das eine mit den Freien Wählern befreundete Werbeagentur ausgebrütet hat – angeblich für lau.
Die Umfärbung aller erreichbaren Gegenstände dürfte aber einiges an Steuergeld gekostet haben.
Diese Farbenspiele sollte man nicht als Kinkerlitzchen abtun. Dahinter steckt oft mehr.
In der Weimarer Republik tobte einst ein erbarmungsloser Fahnenkrieg. Viele Stadtverwaltungen, die dem entlaufenen Kaiser nachtrauerten und die Republik verachteten, weigerten sich damals, die schwarz-rot-goldene Flagge zu hissen. Sie zogen das preußische schwarz-weiß-rot vor. Alte Bilder aus dieser Zeit zeigen, dass Mörfelden und Walldorf in der Beflaggung treu zur Republik standen. Sie sollten sich auch heute darauf besinnen, dass die Stadtfarbe immer Rot war, und nicht blau.
Alfred J. Arndt